Osteoporose: Frauen erkranken doppelt so oft wie Männer. Zu den typischen Folgen gehören Brüche des Oberschenkelknochens
Osteoporose oder Knochenschwund, eine der zehn bedeutendsten Erkrankungen auf der Welt, findet ihre stärkste Ausprägung in Knochenbrüchen und den damit verbundenen Folgen. Obwohl Männer keineswegs verschont bleiben, ist Osteoporose vor allem ein Leiden der Frauen: Sie sind mehr als doppelt so oft wie Männer betroffen. Nach dem 50. Lebensjahr beziehungsweise nach den Wechseljahren erleidet jede dritte Frau einen durch Osteoporose bedingten Knochenbruch (postmenopausale Osteoporose). Bei den 70-Jährigen ist es schon jede zweite. Männer erkranken in der Regel zehn Jahre später. Zudem ist die Osteoporose bei ihnen tendenziell schwächer ausgeprägt als bei Frauen, dafür aber öfter Folge anderer Erkrankungen (sekundäre Osteoporose).
Neben der postmenopausalen Osteoporose ist die Alters-Osteoporose eine häufige Erscheinungsform der Erkrankung. Viele Frauen haben ihre Diagnose Osteoporose sozusagen ins höhere Alter mitgenommen. Mit anderen Worten: Aus der postmenopausalen ist eine Alters-Osteoporose geworden. Und das bedeutet: Das Risiko von Knochenbrüchen und weiteren Komplikationen steigt noch einmal deutlich. Auch tritt das Krankheitsbild bei vielen Frauen im höheren Alter erstmals in vollem Umfang zutage. Damit das anfällige Knochensystem in dieser Lebensphase nicht noch weiter geschwächt wird, sind schon frühzeitig konsequente Gegenmaßnahmen notwendig (siehe Kapitel „Therapie“). An der Alters-Osteoporose können natürlich auch Männer erkranken. Es betrifft sie allerdings seltener und wiederum meist zehn Jahre später als Frauen.
UNSER EXPERTE: Univ.-Professor Dr. med. Reiner Bartl, Facharzt für Innere Medizin
Ursachen: Die Osteoporose wird grundsätzlich in eine primäre und sekundäre Form eingeteilt (mehr dazu in den entsprechenden Kapiteln, siehe Textkasten). Die durch Hormonmangel nach den Wechseljahren bedingte postmenopausale Osteoporose und die Alters-Osteoporose sind die primären Formen der Erkrankung. Sie werden begünstigt durch Veranlagung (Genetik) und den Lebensstil. Letzteres betrifft vor allem die Ernährung, insbesondere eine zu geringe Aufnahme von Kalzium und Vitamin D. Aber auch Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol spielen eine Rolle. Ist die Osteoporose Folge einer Behandlung mit bestimmten Medikamenten oder tritt sie in Verbindung mit anderen Erkrankungen auf, so handelt es sich um eine sekundäre Form.
Symptome und Diagnose: Da sich die Osteoporose schleichend entwickelt, erfahren viele Betroffene erst nach einem Knochenbruch von ihrer Krankheit. Andere leiden eventuell schon länger oder in letzter Zeit vermehrt unter Rückenschmerzen. Nach einem Oberschenkelhalsbruch oder Wirbelbruch aufgrund einer Osteoporose bleiben nicht wenige Betroffene bettlägerig. Sogar das Sterblichkeitsrisiko ist in den ersten Monaten nach dem Bruch um etwa 20 Prozent erhöht. Eine einfache Knochendichtemessung (Osteodensitometrie, kurz DXA) führt zur Diagnose.
Vorbeugung: Knochenfreundlich leben hilft der Osteoporose vorzubeugen. Ideal wäre es, schon im Kindesalter mit kalziumreicher Ernährung und viel Bewegung zur Stärkung von Muskeln und Knochen zu beginnen. Denn bereits im jungen Erwachsenenalter setzt ein natürlicher Verlust an Knochenmasse ein. Er beträgt etwa ein Prozent pro Jahr.
Therapie: Gegen Osteoporose helfen verschiedene Medikamente. Sie können die Knochen stabilisieren und vor Brüchen schützen. Eine frühzeitige Behandlung – vor dem ersten Knochenbruch – kann die Osteoporose sogar rückgängig machen. Schmerzen werden gezielt bekämpft. Die Wirbelsäule kann durch einen Eingriff stabilisiert, ein nach einem Bruch instabiles Gelenk eventuell ersetzt werden.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie
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Und: Begründet das auch eine entsprechende Behandlung? Den gebrochenen Wirbel hat der Arzt zufällig entdeckt und dann andere Erkrankungen ausgeschlossen.
Ein solcher, zufällig entdeckter Wirbelkörperbruch allein ist noch kein Anlass für eine Osteoporose-Behandlung. Hier spielen Alter und Knochendichte eine wesentliche Rolle. Bei Frauen, die über 50 Jahre alt sind und bei denen in der Knochendichtemessung ein sogenannter T-Wert unter minus 2 festgestellt wurde, sollte eine Therapie jedoch rasch begonnen werden. Wird in solch einem Fall auf eine medikamentöse Therapie verzichtet, besteht ein hohes Risiko für weitere Wirbelkörperbrüche.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Es gibt Hinweise dafür, dass ein tägliches „Zuviel“ an Kalzium, aber auch eine langjährige Anwendung von Kalzium in Kombination mit Vitamin D das Risiko für Nierensteine erhöht. Beides – sowohl der Mineralstoff als auch das Vitamin – sollte daher immer in der korrekten Dosis und nur dann eingenommen werden, wenn tatsächlich ein Mangel oder Bedarf festgestellt wurde. Bei Patienten, die bereits unter Nierensteinen leiden, wird der Arzt oder die Ärztin mit der Verschreibung von Kalzium und Vitamin D natürlich sehr zurückhaltend sein.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Bei der sogenannten Ballonkyphoplastie wird ein frisch gebrochener Wirbelkörper aufgerichtet und mit Knochenzement aufgefüllt. Dabei wird eine Sonde über die dünnen Gelenkfortsätze von hinten in den Wirbelkörper eingeführt. Mit einem aufdehnbaren Ballon wird zunächst der Knochen von innen wieder in seine ursprüngliche Form gedrückt. In den dabei entstandenen Leerraum wird nach Entfernen des Ballons flüssiger Knochenzement eingespritzt, der dann aushärtet und den Wirbelkörper von innen stabilisiert. Dadurch werden Patienten unmittelbar nach dem Eingriff schmerzfrei. Die Ballonkyphoplastie birgt allerdings auch Risiken. Der stabilisierte Wirbelkörper ist nach dem Eingriff härter. Dadurch kann es zur Überlastung der benachbarten Wirbelkörper kommen. So können später beispielsweise Brüche in angrenzenden osteoporotischen Wirbelkörpern auftreten.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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13.09.2005, aktualisiert am 03.02.2012
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