unzureichende Gewichts- und Längenzunahme eines Kindes oder Jugendlichen im Vergleich zu seinem bisherigen Wachstumsverhalten oder zu einer alters-, ethnizitäts- und geschlechtskontrollierten Normalbevölkerung.
Ursache: Zugrunde liegen können Nahrungsaufnahme- oder Nahrungsverwertungsstörungen oder ein vermehrter, ungedeckter Energiebedarf. Ursachen für verminderte Nahrungsaufnahme sind Fehl- oder Mangelernährung, Passagehindernisse des Magen-Darm-Traktes, häufiges Erbrechen, Nahrungsverweigerung aus organischen (z. B. Herzfehler, Lungenkrankheiten) oder psychischen Gründen (z. B. Magersucht) sowie Vernachlässigung. Verwertungsstörungen werden bei Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, Mukoviszidose, bei Darmkrankheiten wie Zöliakie und Crohn-Krankheit, schließlich bei Mangel an kohlenhydratspaltenden Enzymen, beschleunigter Darmpassage oder Kurzdarmsyndrom gefunden. Ein vermehrter Kalorienbedarf besteht bei chronischen Krankheiten wie Rheuma oder Mukoviszidose und bei Schilddrüsenüberfunktion. Auch in den westlichen Industrieländern sind Fehl- und Unterernährung die häufigsten Gründe für eine Gedeihstörung.
Befund: Die Symptome sind abhängig von der Dauer der Gedeihstörung: Bei zunächst erhaltenem Längenwachstum fällt das Gewicht gegenüber dem Erwartungswert ab. Erst spät stoppt auch das Längenwachstum. Das Unterhautfettgewebe verschwindet, die Haut wird trocken und faltig. Zwei häufige Ursachen der Gedeihstörung, die Magenpförtnerverengung und die Zöliakie, sind von charakteristischen äußeren Befunden begleitet – Ersterer mit einem greisenähnlichen Gesicht mit gerunzelter Stirn, Zweiterer mit hängenden Gesäßfalten. Andauernde Mangelernährung kann durch Eiweißmangel zu Hungerödemen führen. Die Diagnose wird, wenn sie keine Blickdiagnose ist, durch Abgleich mit geschlechts- und ethnizitätsbezogenen Somatogrammen gestellt. Es schließt sich eine genaue Erhebung der Krankengeschichte an, zu der insbesondere auch die Betrachtung der Ernährungsgewohnheiten und des psychofamiliären Umfeldes gehören, und eine körperliche Untersuchung. Zur Ursachendiagnostik gehören in erster Linie ein Ernährungsprotokoll mit Berechnung der aufgenommenen Energiemenge, außerdem ein Stoffwechselscreening und Stuhluntersuchungen.
Behandlung: Die Therapie richtet sich sowohl nach der Grundkrankheit als auch nach der Ausprägung der Gedeihstörung. Unter Umständen wird eine Ernährung mittels Venen- oder Magentropf nötig.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 08.12.2010
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